Über die Feiertage habe ich das Let’s Play von Resident Evil 3 bei den Rocket Beans sowie Tormented Souls 2 bei Bruugar geschaut. Dabei sind mir wieder einmal zwei Dinge aufgefallen.
Erstens gibt es in beiden Spielen viele Situationen, die objektiv völlig unlogisch oder zumindest «cheesy» sind.
Bei Resident Evil 3 etwa: Rätsel mitten in Ruinen, Schlösser und Mechaniken, bei denen man sich ernsthaft fragt, wer so etwas gebaut haben soll – und vor allem für wen. Dazu kommen hanebüchene Story-Momente.
Die Frage ist: Wie wichtig sind Logik und Realismus für die Qualität eines Spiels?
Meine Antwort wäre: weniger, als man denkt.
Cheesiness macht ein Spiel nicht automatisch schlechter. Sie kann sogar dazu beitragen, dass es erinnerbarer wird, solange sie sich stimmig anfühlt.
Viele dieser unlogischen Elemente erfüllen eine klare Funktion. Ohne sie würden zentrale Gameplay-Bausteine schlicht nicht funktionieren. Gerade die berühmten Mansion-Rätsel in Resi: völlig absurd, aber essenziell.
Ein zweiter Punkt ist mir beim Zuschauen aufgefallen: In beiden Games gibt es längere Phasen ohne Speichermöglichkeit. Man braucht spezielle Bänder, um speichern zu können. Jeder Tod kann bedeuten, wieder in einem viel früheren Abschnitt zu landen.
Genau dieses Risiko erzeugt enorm viel Atmosphäre. Es geht um etwas. Man wird vorsichtiger, merkt sich Wege, Gegner und Räume.
Durch wiederholtes Scheitern und erneutes Absuchen lernt man die Levels besser kennen und taucht so tiefer in die Spielwelt ein.
Diese Mischung aus Gefahr, Wiederholung und Lernprozess erzeugt einen speziellen Survival-Groove, der stark zur Immersion beiträgt.
Dabei kommt mir auch eine der prägendsten Erinnerungen meiner eigenen Game-Historie in den Sinn: Tomb Raider IV: The Last Revelation.
Damals steckte ich nach einer Sprungpassage auf einem Felsen fest. Kein Zurück, kein Vorwärts. Ich musste im gleichen Raum immer wieder nach einer Lösung suchen, jede Ecke absuchen, jede Bewegung ausprobieren – bis ich sie schliesslich fand.
Unerwartete Elemente und grosse Hindernisse führen also dazu, dass Spiele dauerhaft im Gedächtnis bleiben. Sie beschäftigen den Spieler abseits des reinen Gaming. Sie fordern, frustrieren und belohnen ihn am Ende.