Das sieht noch ziemlich übel aus, ich weiss. Aber langsam habe ich das Gefühl, mich dem Ziel anzunähern.
In den letzten Monaten habe ich etwas intensiver mit Miniaturen angefangen. Ich liebe es, sie zusammenzubauen und zu grundieren. An das eigentliche Bemalen habe ich mich jedoch lange nicht herangetraut. Zu schade die Modelle, zu schwierig, und mein innerer Perfektionist wollte natürlich sofort perfekte Resultate sehen. Dazu kommen die Budget-Constraints.
Dutzende Farbtöpfe, Wet Palette, unzählige Optionen und Techniken, das alles ist überfordernd bei den «empfohlenen» Warhammer-Bemaltechniken. Was mich an Acryl aber vor allem stört, ist die kurze Trocknungszeit. Dieses permanente Gefühl, unter Zeitdruck zu stehen.
Was aber, wenn man stattdessen Öl verwendet?
Die Farben habe ich ohnehin schon oder könnte sie problemlos mischen. Vor Monaten habe ich auf Ricardo eine Vielzahl wasserlöslicher Ölfarben von Winsor & Newton gekauft und für Gelände verwendet. Öl lässt sich wunderbar entspannt verarbeiten, Übergänge entstehen fast von selbst und allgemein wirkt alles deutlich unkomplizierter. Oder etwa doch nicht?
Nach einigen Versuchen an dieser ohnehin schon ziemlich malträtierten Furie aus Warcry habe ich langsam das Gefühl, ein paar erste Erkenntnisse gewonnen zu haben. Nichts Weltbewegendes, aber zumindest etwas Fortschritt.
1. Die Grundierung ist extrem wichtig. Ich trage eine Mischung aus Weiss und einem Braunton (Rhinox Hide) auf. Sie sollte vollständig durchgetrocknet sein. Lieber einige Stunden oder sogar Tage warten. Ölmalerei bedeutet viel Verblenden. Man arbeitet weniger in Schichten als vielmehr in Übergängen und bewegt den Pinsel entsprechend lange auf der Oberfläche. Ist die Grundierung nicht vollständig ausgehärtet, kann sie sich wieder lösen, vor allem an glatten Stellen wie Flügeln oder Schildern.
2. Anschliessend folgt die Ölfarbe in Form eines kräftigen Washes: stark verdünnte Schattenfarbe, beispielsweise ein dunkles Violett, Blau oder ein Braunviolett. Mit wenigen Pinselstrichen wird die gesamte Miniatur damit überzogen und danach erneut trocknen gelassen.
3. Das Coole daran: Ölfarbe lässt sich wieder anlösen. Bei wasserlöslichen Ölfarben genügt Wasser. Mit einem Wattestäbchen oder einem weichen Pinsel kann man die Farbe an den erhöhten Stellen wieder entfernen, bis die helle Grundierung darunter erneut sichtbar wird.
4. Nach dem Trocknen beginnt die eigentliche Farbgestaltung. Was ich wirklich mag: Man hat Zeit. Sehr viel Zeit. Die Farbe bleibt lange offen und lässt sich entsprechend lange bearbeiten. Ich drücke die Farbe zunächst auf ein Stück Karton, damit etwas Öl herausgezogen wird. Danach mische ich sie auf der Palette. Aufgetragen wird sie mit einem weichen Pinsel. Wichtig ist dabei eher ein sanftes Tupfen als klassisches Streichen. Am besten funktioniert es für mich bisher mit zwei Pinseln: einem zum Auftragen und einem zweiten zum Verblenden der Übergänge.
Das sind bisher meine wichtigsten Erkenntnisse und Abläufe. Vermutlich werde ich vieles davon wieder anders sehen. Im Moment habe ich aber das Gefühl, dass Ölfarben Miniaturen eine besondere Wirkung verleihen. Und sie sind gut geeignet für Menschen wie mich, die gerne entspannt und ohne Zeitdruck arbeiten.
Wer weiss, vielleicht bin ich in ein paar Monaten trotzdem so weit, das Öl wegen seiner eigenen Stolpersteine wieder beiseitezulegen, in den sauren Apfel zu beissen und Acryl zu lernen (und zu kaufen) wie alle anderen.